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Goslar

Goslar ist eine historische Stadt in Niedersachsen, Deutschland. Sie ist das Verwaltungszentrum des Landkreises Goslar und liegt am Nordwesthang des Harzes. Die Goslarer Altstadt und das Bergwerk Rammelsberg sind UNESCO-Weltkulturerbe.

Der Eisenerzabbau war seit der Römerzeit im Harz üblich; die frühesten bekannten Zeugnisse für Streit und Verhüttung gehen auf das 3. Jahrhundert n. Chr. zurück. Alte Grabbeigaben aus Harzerz wurden sogar bei Ausgrabungen in England entdeckt. Die Siedlung am Gosebach wurde erstmals 979 in einer Urkunde Kaiser Ottos II. erwähnt; sie befand sich in den sächsischen Heimatländern der ottonischen Dynastie und wahrscheinlich existierte bereits ein Königspfalz an dieser Stelle. Noch wichtiger wurde es, als auf dem nahe gelegenen Rammelsberg, dem heutigen Bergbaumuseum, umfangreiche Silbervorkommen entdeckt wurden.

Als Ottos Nachkomme Heinrich II. ab 1009 im Goslarer Schloss kaiserliche Synoden einzuberufen begann, ersetzte Goslar allmählich den Königspalast Werla als zentralen Versammlungsort in den sächsischen Ländern; eine Entwicklung, die von den salischen ("fränkischen") Kaisern wieder verstärkt wurde. Konrad II., einst gewählter König der Römer, feierte 1024 in Goslar Weihnachten und ließ im nächsten Jahr den Grundstein für die neue Kaiserpfalz Goslar legen.

Goslar wurde zur Lieblingsresidenz von Konrads Sohn Heinrich III., der sich etwa zwanzig Mal im Schloss aufhielt. Hier empfing er König Peter von Ungarn sowie die Abgesandten des Prinzen Jaroslaw von Kiew, hier ernannte er Läufer und Herzöge. Sein Sohn und Nachfolger Heinrich IV. wurde hier am 11. November 1050 geboren. Henry ließ 1051 auch den Goslarer Dom von Erzbischof Herman von Köln errichten und weihen; kurz vor seinem Tod 1056 traf sich Kaiser Heinrich III. mit Papst Victor II. in der Kirche und betonte die Vereinigung von weltlicher und kirchlicher Macht. Sein Herz wurde in Goslar begraben, sein Körper im salischen Familiengewölbe im Speyerer Dom. Von der Kathedrale blieb nur die nördliche Veranda erhalten; das Hauptgebäude wurde Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen.

Unter Heinrich IV. blieb Goslar ein Zentrum der kaiserlichen Herrschaft, jedoch verschärften sich die Konflikte, wie z.B. im gewalttätigen Vorrangstreit zu Pfingsten 1063. Während Henry bestrebt war, den enormen Reichtum der Rammlesberger Silberbergwerke als königliche Herrschaft zu sichern, eskalierte die Unzufriedenheit der lokalen Adligen mit der sächsischen Rebellion in den Jahren 1073-75. In der anschließenden Großen Sächsischen Revolte unterstützten die Goslarer Bürger den Anti-König Rudolf von Rheinfelden, der hier 1077 eine Fürstenversammlung abhielt, und Hermann von Salm, der am 26. Dezember 1081 von Erzbischof Siegfried von Mainz zum König in Goslar gekrönt wurde und Goslar den Status einer Reichsstadt verlieh.

Im Frühjahr 1105 berief Heinrich V. die sächsischen Stände in Goslar ein, um Unterstützung für die Absetzung seines Vaters Heinrich IV. zu erhalten. Im folgenden Jahr zum König gewählt, hielt er während seiner Herrschaft sechs kaiserliche Reichstage im Goslarer Schloss. Die Tradition wurde von seinem Nachfolger Lothair II. und sogar von den Hohenstaufenherrschern Konrad III. und Friedrich Barbarossa übernommen. Nach seiner Wahl 1152 ernannte König Friedrich den Welfenherzog Heinrich zum kaiserlichen Löwenvogt (Gerichtsvollzieher) der Goslarer Bergwerke; der unzufriedene Herzog belagerte die Stadt jedoch und verlangte bei einem Treffen 1173 in Chiavenna seine Aufwertung mit den Gütern, wiederum für seine Unterstützung bei Barbarossas italienischen Feldzügen. Als Heinrich der Löwe 1180 endgültig für abgesetzt erklärt wurde, ließ er die Bergwerke Rammelsberg zerstören.

Die Bedeutung Goslars als kaiserliche Residenz begann unter der Herrschaft der Nachkommen Barbarossas zu sinken. Während des deutschen Thronstreits belagerte Welfenkönig Otto IV. 1198 die Stadt, musste sich aber den Truppen seines staufischen Rivalen Philipp von Schwaben beugen. Goslar wurde 1206 erneut von Ottos Truppen gestürmt und geplündert. Friedrich II. hielt hier den letzten Reichstag ab; mit dem Großen Interregnum nach seinem Tod 1250 endete die Goslarer Kaiserzeit.

Während sich die Kaiser aus Norddeutschland zurückziehen, wurden die Bürgerrechte in Goslar gestärkt. Die Marktrechte gehen auf das Jahr 1025 zurück; ein Gemeinderat wurde 1219 erstmals erwähnt. Die Bürger strebten nach der Kontrolle der Silberbergwerke Rammelsberg und traten 1267 der Hanse bei. Neben dem Bergbau im Oberharz wurden Handel und Handel mit Gosebier, später auch Schiefer und Vitriol, wichtig. Bis 1290 erhielt der Rat die Vogtrechte und bestätigte damit den Status von Goslar als freie Reichsstadt. Im Jahr 1340 wurden seine Bürger vom Kaiser Ludwig dem Bayern mit Heerschild-Rechten ausgestattet. Das Goslarer Stadtrecht setzte ein Zeichen für zahlreiche andere Gemeinden, wie z.B. das 1359 kodifizierte Goslarer Bergbaugesetz.

In der frühen Neuzeit kam es sowohl zu einem Bergbauboom als auch zu zunehmenden Konflikten mit den Welfenherzögen von Braunschweig-Lüneburg, vor allem mit Fürst Heinrich V. von Wolfenbüttel, der 1527 die Bergwerke Rammelsberg ergriff und die Harzwälder erweiterte. Obwohl die Goslarer Bürger erfolgreich beim Reichskammergericht Beschwerde einlegten, dauerte eine anschließende zermürbende Fehde mit dem Herzog Jahrzehnte. Goslar wurde vorübergehend unter kaiserliches Verbot gestellt, während die protestantische Reformation in der Stadt vom Theologen Nicolaus von Amsdorf eingeführt wurde, der 1531 eine erste Kirchenverfassung herausgab. Um die Unabhängigkeit zu behaupten, schlossen sich die Bürger 1536 dem Schmalkaldischen Bund gegen die katholische Politik des habsburgischen Kaisers Karl V. an. Die Schmalkaldischen Kräfte besetzten zwar das Wolfenbütteler Land von Heinrich V., doch als sie 1547 in der Schlacht bei Mühlberg von kaiserlichen Kräften besiegt wurden, setzte der Welfherzog seine Repressalien fort.

Im Jahr 1577 unterzeichneten die Goslarer Bürger die lutherische Formel der Übereinstimmung. Nach jahrelangen Scharmützeln mussten sie Herzog Henry und seinem Sohn Julius schließlich umfangreiche Bergbaurechte gewähren, die schließlich den Stadtrat verdrängten. Dennoch wurden mehrere Versuche der Braunschweiger Herzöge, die Reichsstadt zu integrieren, abgelehnt. Goslar und seine Wirtschaft wurden durch den Dreißigjährigen Krieg stark getroffen, vor allem durch die Finanzkrise von Kipper und Wipper in den 1620er Jahren, die zu mehreren Aufständen und Pogromen führte. Angesichts der erneuten Aggressionen von Herzog Christian dem Jüngeren von Braunschweig suchten die Bürger Unterstützung bei den kaiserlichen Militärführern Tilly und Wallenstein. Von 1632 bis 1635 wurde die Stadt von den schwedischen Truppen des Königs Gustavus Adolphus besetzt; 1642 wurde ein Friedensabkommen zwischen Kaiser Ferdinand III. und dem Braunschweiger Herzog August dem Jüngeren geschlossen. Die Hoffnungen der Goslarer auf die Wiedererlangung des Bergwerks Rammelsberg wurden nicht erfüllt.

Goslar blieb der kaiserlichen Autorität treu und feierte feierlich jeden Beitritt eines Heiligen Römischen Kaisers. Unter starker Bezugnahme auf die großen mittelalterlichen Traditionen verlor die Stadt kontinuierlich an Bedeutung und geriet in eine steigende Verschuldung. Als Johann Wolfgang von Goethe 1777 in Goslar weilte, nannte er sie "eine kaiserliche Stadt, die in und mit ihren Privilegien verfault". Im Winter 1798, dem kältesten des Jahrhunderts, hielt sich der junge englische Dichter William Wordsworth in der Stadt auf. Um das Heimweh zu vertreiben, begann er, einige Verse über seine Kindheit zu schreiben, die sich schließlich zu dem Meisterwerk entwickeln sollten, das nach seinem Tod als The Prelude in 13 Bänden veröffentlicht wurde[5].

Erste Verwaltungsreformen wurden von den Räten der Familie Siemens eingeleitet. Dennoch ging der Status der kaiserlichen Unmittelbarkeit endgültig verloren, als Goslar 1802 während der Napoleonischen Kriege von preußischen Truppen annektiert wurde, was durch die deutsche Mediatisierung im nächsten Jahr bestätigt wurde. Unter preußischer Herrschaft wurden von Stadtrat Christian Wilhelm von Dohm weitere Reformen vorangetrieben. Vorübergehend Teil des Königreichs Westfalen nach der preußischen Niederlage in der Schlacht von Jena-Auerstedt 1806, wurde Goslar schließlich durch Beschluss des Wiener Kongresses dem neu gegründeten Königreich Hannover zugewiesen. Von 1820 bis 1822 wurde der Dom verkauft und abgerissen, was Heinrich Heine in seinem Reisebericht Harzreise bitter betrauerte. Wieder unter preußischer Herrschaft nach dem Österreichisch-Preußischen Krieg von 1866 wurde Goslar zu einem beliebten Ruhesitz (Pensionopolis) und einer Garnisonsstadt der preußischen Armee. Die Hohenzollern-Könige und -Kaiser ließen die Hofburg restaurieren, darunter die Wandmalereien von Hermann Wislicenus.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 machte Reichsminister Richard Walther Darré Goslar zum Sitz der landwirtschaftlichen Reichsnährstandsgesellschaft. 1936 erhielt die Stadt den Titel Reichsbauernstadt. Im Zuge der deutschen Wiederbewaffnung wurden nördlich der Stadt ein Luftwaffenstützpunkt und mehrere Kriegsausrüsterfirmen in der Nähe errichtet, darunter Außenlager der Konzentrationslager Buchenwald und Neuengamme. Dennoch entkam die historische Stadt während des Zweiten Weltkriegs den strategischen Bombenangriffen.

Als Teil der britischen Besatzungszone von 1945 war Goslar Standort eines Vertriebenenlagers. In der Zeit des Kalten Krieges war die Stadt an der innerdeutschen Grenze eine wichtige Garnisonsstadt für die westdeutsche Armee, die Grenzpolizei sowie die französischen Streitkräfte in Deutschland. Nach dem Fall der Berliner Mauer wurden die Baracken geräumt und ein großer Wirtschaftsfaktor verloren. Nach einer tausendjährigen Geschichte des Bergbaus wurden die Bergwerke Rammelberg 1988 endgültig geschlossen.

Im Sommer 2018 wurde auf dem Dach des Goslarer Doms eine maschinengeschriebene Botschaft vom 26. März 1930 entdeckt, die von vier Dachdeckern unterzeichnet wurde, die sich über die wirtschaftliche Lage des Landes beklagten. Die Flasche wurde von einem Dachdecker entdeckt, der 1930 Enkel eines der Unterzeichner war, der 1930 ein 18-jähriger Dachdeckerlehrling war. Goslars Bürgermeister ersetzte die Flasche durch eine Kopie der Botschaft von 1930 und fügte seine eigene vertrauliche Nachricht hinzu.

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