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St. Wendel

Sankt Wendel ist eine Stadt im Nordosten des Saarlandes. Sie liegt an der Blies 36 km nordöstlich von Saarbrücken, der saarländischen Landeshauptstadt, und ist nach dem Heiligen Wendelin von Trier benannt. Nach einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Wohnen, Städtebau und Raumordnung gilt St. Wendel nach Starnberg als eine der reichsten Regionen Deutschlands.

Das Zentrum von St. Wendel soll der Hof eines Feudalherrn namens Baso aus der merowingischen Zeit (Ende des 6. Jahrhunderts) gewesen sein, so dass die Stadt ursprünglich Basonevillare ("Hof von Baso") hieß. Der Bauernhof von Baso lag auf der Westseite von Bosenberg zwischen dem Todtbach und dem Bosenbach. Ohne die lokale Bewunderung von Wendelin hätte sich dieser Begriff wahrscheinlich zu "Bosenweiler" entwickelt. (Vergleiche die Namen Bosenweiler, Bosenberg und Bosenbach, in denen Basos Name überlebt hat.)

In der Mitte des 7. Jahrhunderts kaufte der Bischof von Verdun, Paulus, Basonvillare. Er erbte auch die Siedlung Tholey (ohne Kloster) vom merowingischen Adligen Adalgisel Grimo, Diakon von Verdun. So gehörte das Gebiet von St. Wendel jahrhundertelang zu Verdun.

Kurz zuvor starb der Einsiedler Wendelin bei Basonvillare. Er war von den Menschen sehr verehrt worden, und so entwickelte sich in den nächsten Jahrhunderten eine intensive Wallfahrt, die schließlich im 12. Jahrhundert zur Umbenennung der Siedlung Basonvillare in "St. Wendel" führte.

Der Herr von Blieskastel, dessen Besitz sich vom nördlichen Teil Lothringens bis hin zum Bernkastel an der Mosel (heute Bernkastel-Kues) erstreckte, errichtete im Tal der Blies eine von einem Graben umgebene Burg, die die blühende Wallfahrtsstätte schützen sollte. Die Burg bestand aus einem künstlichen Hügel aus Erde mit einem hölzernen Turm auf der Spitze, umgeben von einer Palisade und einem Graben. Eine solche Installation wurde "Mott" genannt, weshalb dieser Teil von St. Wendel heute den Namen Mott trägt.

Ein dritter Bereich war eine kleine Kirche "über dem Grab von Wendelin", die angeblich dort stand, wo sich heute die Magdalenenkapelle befindet. Erst Ende des 9. oder Anfang des 10. Jahrhunderts wurde eine Kirche an der Stelle der heutigen Basilika gebaut, wo die Reliquien von Wendelin im 11. Jahrhundert aufgenommen wurden und zu der im Oktober am St. Wendeltag gepilgert wird.

Gleichzeitig entwickelte sich der Wendelmarkt, ein zentraler Markt für das Gebiet für Rinder, Kleidung und Alltagsgegenstände. Adelsfamilien und Geistliche ließen sich um die Kirche herum nieder. Schloss, Hof und Kirche wuchsen im 14. Jahrhundert allmählich zusammen.

Bis zur zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts war St. Wendel ein wichtiger Vorposten von Verdun. 1326/28 kaufte der Kurfürst und Erzbischof Balduin von Luxemburg aus Trier das Schloss und das Dorf St. Wendel. Er versuchte, den Einfluss Lothringens auf den Rhein zu unterdrücken. Durch diesen Kauf entwickelte sich das Dorf bald zu einer mittelalterlichen Stadt. Jakomin von Monkler wurde der erste Magistrat. Als Vertreter des Kurfürsten ließ er eine neue Burg errichten. Darüber hinaus riet er Erzbischof Balduin, eine neue Wallfahrtskirche zu errichten. Im Jahr 1332 kaufte er die Stadtbescheinigung von Kaiser Ludwig IV. und erzielte damit dauerhafte Einnahmen. Sein Nachfolger Werner von Falkenstein ließ 1388 eine Mauer um die Stadt errichten. In St. Wendel lebten zu dieser Zeit etwa 500 Menschen.

War der Fruchtmarkt im 14. Jahrhundert ein Teil der Stadt für die Adligen und Kleriker, wurde er im 15. Jahrhundert zum zentralen Marktplatz. Mittelstand und Arbeiter ließen sich auf den ehemaligen Bauernhöfen der Adligen nieder. Die Gilden entwickelten sich und erhielten durch ihre Juroren Rechte in der Stadtverwaltung. 1455 wurde die Hospitalstiftung und wenig später das Rathaus errichtet. Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl auf 700.

Im Jahr 1591 wurde ein großer Teil der Stadt durch einen Brand zerstört. Die Bewohner hatten gerade erst mit dem Wiederaufbau der Stadt begonnen, als Anforderungen und Beiträge (Zahlungen an die Besatzungsarmee) während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) die Stadt fast in den finanziellen Zusammenbruch trieben.

Während des Dritten Anglo-Niederländischen Krieges (1672-1697) wurden 1677 alle Gebäude mit Ausnahme einiger weniger niedergebrannt. Die Stadtmauer wurde teilweise zerstört, und die Burg des Kurfürsten wurde zerstört.

Während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714) wurde die Stadt besetzt und wieder geplündert. Davon hat sich der Handel lange Zeit nicht erholt. Erst 1714 konnten die Menschen mit dem Wiederaufbau beginnen.

Auch während des Polnischen Erbfolgekrieges (1733-1738), des Österreichischen Erbfolgekrieges (1740-1748) und des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) zogen die Truppen durch St. Wendel, so dass Requisitionen bezahlt werden mussten.

Erst Mitte des 18. Jahrhunderts konnten sich die Bewohner wieder erholen. Die städtebauliche Entwicklung war lange Zeit durch einen großen Kontrast zwischen der hohen Bevölkerungsdichte der ummauerten Innenstadt und der geringen Bevölkerungsdichte außerhalb der Mauer gekennzeichnet. Jetzt war die Mauer weg und die Stadt begann zu wachsen. Der Handel, insbesondere die Woll- und Lederindustrie, wuchs wieder. Es gab riesige Unternehmen mit über 100 Webmaschinen. Händler aus Saarbrücken und Straßburg deckten ihren Bedarf an guter Kleidung, während die Gerbereien ihre Produkte zur Messe in Frankfurt brachten. Eine wohlhabende Oberschicht entwickelte sich, ebenso wie viele wunderschöne Wohn- und Geschäftshäuser. Die Basilika wurde mit einer dreischichtigen barocken Kuppel versehen. Neben vielen städtebaulichen Aktivitäten fanden auch Straßen, das Gebiet um die Burg herum, die Verlegung des Friedhofs von der Basilika nach außerhalb der ehemaligen Stadtmauer statt.

Während der französischen Revolutionskriege erlitt St. Wendel Plünderungen und Requisitionen durch die Truppen beider Seiten. Wollweber und Gerber mussten Socage zahlen, eine besondere Art von Steuer. Die Einführung der Handelsfreiheit ersetzte die alten Regeln der Gilden und brachte viele Meister aus dem Geschäft, da die Preise nicht mehr festgelegt waren, so dass Fehler unter dem Preis gemacht werden konnten.

Der Kanton St. Wendel gehörte ab 1798 zum französischen Saardepartement. Schließlich kehrte der Reichtum in die langsam aber sicher wachsende Stadt zurück. In der Kelsweilerstraße wurde das obere Stadttor niedergerissen und in der heutigen Bahnhofstraße eine Brücke über die Blies errichtet.

1814 erhielt Herzog Ernst III. von Sachsen-Coburg-Saalfeld (später Herzog Ernest I. von Sachsen-Coburg und Gotha) die Kantone St. Wendel, Grumbach und Baumholder (zusammen rund 20.000 Einwohner) für seine Leistungen während der französischen Revolutionskriege. Ab 1816 nannte er dieses Gebiet das "Fürstentum Lichtenberg", das noch heute an den Grenzen der evangelischen Kirchengemeinde St. Wendel zu finden ist.

Die Regierung war wirtschaftlich erfolgreich, aber sie versuchte, die Gerichtsbarkeit zu kontrollieren, und das Vertrauen der Lichtenberger in ihre unabhängige Regierung verschwand. Mit der Gründung eines Landrats hoffte die Öffentlichkeit, Rechte auf Selbstbestimmung, Steuerpolitik usw. zu erlangen, aber Herzog Ernst entschied in zu vielen Fällen willkürlich. Die Öffentlichkeit wurde immer unzufriedener, was zu Aufständen führte. Während der liberalen Bewegungen, die sich aus dem Hambacher Fest 1832 ergaben, eskalierten die Aufstände. Die Revolten wurden mit Hilfe preußischer Truppen aus Saarlouis niedergeschlagen. 1834 verkaufte der Herzog das Land an das Königreich Preußen und St. Wendel wurde zur Hauptstadt des Landkreises Trier. Der preußische Staat stationierte eine Garnison in St. Wendel.

Wirtschaftlich war das Gebiet um St. Wendel bis Mitte des 19. Jahrhunderts arm, weshalb so viele Menschen nach Amerika ausgewandert sind. Noch heute gibt es Städte in Brasilien, in denen der deutsche Dialekt St. Wendel oder sogar die umliegenden Dörfer noch gesprochen werden.

Mitte des 19. Jahrhunderts wuchsen die Stadt St. Wendel und die umliegenden Orte Alsfassen und Breiten langsam zusammen. Es wurden die heutige Bahnhofstrasse, die nach Niederweiler (dem Gebiet des heutigen Bahnhofs) führt, sowie die Brühlstrasse und die Kelsweilerstrasse gebaut, die auch nach Breiten und Alsfassen führen. 1859 wurden St. Wendel, Breiten und Alsfassen schließlich zur neuen Stadt St. Wendel vereint. Weitere städtische Baumaßnahmen: Straßenbeleuchtung, ein Krankenhaus, eine evangelische Kirche (1841).

Mit der Eröffnung der Eisenbahn zwischen Bingen und Saarbrücken 1860 änderte sich die wirtschaftliche Situation von St. Wendel, wobei St. Wendel als Bahnhof und durch den Bau eines Eisenbahn-Instandhaltungsbetriebs profitierte. Der Zugwartungsbetrieb befand sich zunächst gegenüber dem Bahnhof auf dem Tholeyerberg; zwischen 1913 und 1915 wurde er in den Schwarzen Weg (heute Werkstraße) verlegt. Heute wird das Gelände von der Bundeswehr als Logistikzentrum für die militärische Instandhaltung genutzt.

1898 bauten die Missionare des Göttlichen Wortes eine große Mission in St. Wendel. Als Reaktion auf die Veränderungen der wirtschaftlichen und sozialen Strukturen begann auch eine große Stadterweiterung, wodurch sich die Wohnfläche zwischen 1910 und 1937 verdoppelte.

Während des Dritten Reiches wurde nahe der westlichen Stadtgrenze an der B269 nach Winterbach eine riesige Militärbasis errichtet. Die Stadt wurde im März 1945 von der US 7th Army erobert, die US 10th Armored Division richtete dort am 19. März kurzzeitig ihren Kommandoposten ein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es während des Wirtschaftswunders zu einer weiteren großen Expansion der Stadt. Das Saarland blieb ein von Deutschland unabhängiges französisches Protektorat bis zu seiner Wiedereingliederung in die Bundesrepublik Deutschland 1957, die einen wirtschaftlichen Abschwung einleitete, da der größte Arbeitgeber von St. Wendel, die Marschall Tobacco Company, 1960 schließen musste.

Trotz aller Kriege gab es bis 1960 noch einige historische Gebäude in der Innenstadt von St. Wendel, aber unter den Bürgermeistern Franz Gräff (1956-1974) und Jakob Feller (1974-1982) zerstörten ein Mangel an historischem Interesse und wirtschaftlich orientierte Sanitäreinrichtungen viele von ihnen. In der Nähe des Wendelsdoms (der Basilika) sind noch Teile der mittelalterlichen Stadt zu erkennen.

Durch eine Bezirksreform 1974, bei der mehrere umliegende Dörfer mit dem Stadtgebiet vereint wurden, hat St. Wendel heute rund 26.000 Einwohner.

Von 1951 bis Juli 1999 hielt sich eine französische Garnison in St. Wendel auf. Ihre Gebäude werden heute von verschiedenen Unternehmen genutzt, einige wurden entfernt. An ihrer Stelle wurden ein Golfplatz, ein Skatepark und ein neues öffentliches Bad gebaut.

Wikipedia
Dieser Text basiert auf dem Artikel Sankt Wendel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung).
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Aus dem Englischen übersetzt mit https://www.deepl.com/de/translator

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